Reisen geht durch den Magen

Warum für mich ein fremdes Land erst dann richtig interessant wird, wenn ich mich durch seine Märkte, Küchen und Teller probiere..

Ich liebe Essen.

Ich liebe Märkte.

Und ich liebe Reisen.

Dass diese drei Dinge für mich untrennbar zusammengehören, ist daher nicht die größte Überraschung.

Wenn ich an einen neuen Ort komme, möchte ich nicht nur Sehenswürdigkeiten anschauen. Ich möchte wissen, was die Menschen dort essen. Was auf den Märkten liegt. Welche Gewürze verwendet werden. Was morgens auf dem Frühstückstisch steht und was abends in kleinen Restaurants auf den Tisch kommt.

Kulinarik ist für mich deshalb kein Nebenschauplatz des Reisens. Sie ist gelebte Kultur.

Gelebte Kultur.

Ein Land kann man auch erschmecken

Essen erzählt Geschichten über einen Ort.

Über das Klima und die Landschaft. Über die Geschichte eines Landes. Über Einflüsse anderer Kulturen. Über das, was dort angebaut wird und was importiert werden musste. Und natürlich über die Menschen, die dort leben. Man muss dafür nicht einmal besonders viel über Küche wissen. Man setzt sich irgendwo hin, bestellt etwas, das man nicht kennt, und plötzlich lernt man etwas über diesen Ort.

Vielleicht ist es scharf. Vielleicht süß. Vielleicht völlig anders gewürzt, als man es erwartet hätte. Vielleicht schmeckt es zunächst ungewohnt und wird beim zweiten Bissen schon interessanter.

Und manchmal ist es einfach fantastisch.

The one and only Anthony Bourdain hat einmal gesagt: „Food is everything we are.“

Ich finde, besser kann man die Verbindung zwischen Reisen und Kulinarik kaum beschreiben.

“Food is everything we are.”

Erst mal zum Markt

Zu meinen liebsten Dingen auf Reisen gehören deshalb Märkte. Ganz egal, ob es ein großer Markt in einer asiatischen Stadt, ein kleiner Wochenmarkt in Italien oder ein Markt irgendwo in Österreich ist: Ich kann stundenlang herumstöbern. Ich möchte sehen, was angeboten wird. Ich möchte wissen, was gekauft wird. Und natürlich möchte ich Dinge kaufen, die ich noch nicht kenne.

Manchmal habe ich eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, was ich später damit machen möchte. Manchmal kaufe ich einfach irgendetwas, weil es interessant aussieht, und überlege mir erst danach, was daraus werden könnte. Das ist übrigens auch eine ziemlich gute Methode, um Kochen zu lernen.

Geschmack lernen.

Was ich unterwegs über Kochen gelernt habe

Reisen hat meine Küche definitiv verändert. Ein paar meiner Aha-Momente:

  • Chili ist nicht gleich Chili.

Was in Europa als „scharf“ auf der Speisekarte steht, kann etwas völlig anderes bedeuten als „scharf“ in einem kleinen Restaurant irgendwo in Südostasien. Und „European spicy“ ist nicht unbedingt dasselbe wie „ich kann das noch essen“. Ich bin Chili, wie wohl viele meiner Landsleute, eher aus dem Weg gegangen. Wir Mitteleuropäer essen nicht wirklich gern scharf. Meine Reisen haben das verändert. Chili ist mittlerweile Bestandteil meiner Küche und gehört ähnlich wie Zwiebel oder Knoblauch in so ziemlich jedes Gericht. Chili öffnet die Geschmacksnerven. Es macht ein Gericht schmackhafter. Es muss dafür nicht scharf sein. Eine kleine Brise reicht manchmal – je nach Gericht. Mit der Zeit lernt man, die einzelnen Sorten und Nuancen dieses kleinen Gemüse-Wunderwerks zu nutzen.

  • Kompliziert ist nicht automatisch lecker.

Und einfach ist nicht automatisch langweilig. Italien hat mit die einfachsten Gerichte in seiner traditionellen Küche. Trotzdem gelten sie als die leckersten. Spaghetti Cacio e Pepe? Das sind Nudeln mit Käse und Pfeffer. Einfacher geht es nicht. Leckerer auch nur bedingt ;-)

  • Probieren geht über studieren.

Immer. Punkt.

Probieren geht über studieren.

Von der Reise in die eigene Küche

Ich koche außerdem unglaublich gerne nach, was ich auf Reisen gegessen habe. Nicht immer gelingt es. Manchmal fehlt eine Zutat, manchmal das richtige Gewürz und manchmal schlicht die Möglichkeit, das Gericht unter denselben Bedingungen zuzubereiten. Aber genau das macht für mich den Reiz aus. Ich kann einen Geschmack, den ich mit einer Reise verbinde, mit nach Hause nehmen.

Dann steht plötzlich ein Gericht auf meinem Tisch, das mich an einen Abend in Thailand, einen Markt in Malaysia oder ein kleines Restaurant irgendwo in Italien erinnert.

Das Essen wird damit selbst zu einer Art Souvenir. Und genau deshalb gehört Essen für mich so sehr zum Reisen. Denn Reisen bedeutet für mich, die Welt mit allen Sinnen zu erleben.

Und einer der schönsten davon sitzt ziemlich genau zwischen Nase und Kinn.