Allein reisen: Freiheit, Fernweh und die Sache mit dem Restauranttisch

Warum ich das Alleinreisen liebe, obwohl ich es viel zu selten mache – und warum ein Tisch für eine Person für mich immer noch eine ziemlich große Herausforderung ist.

Ich finde Alleinreisen in der Theorie großartig. In der Praxis habe ich es bisher genau zweimal gemacht: einmal nach Rom und einmal in die Toskana.

Das ist eigentlich erstaunlich. Reisen gehört zu den Dingen, die ich am meisten liebe. Ich kann mich stundenlang mit Reisezielen beschäftigen, Reisepläne schmieden, Unterkünfte suchen und mich auf einen neuen Ort freuen. Und trotzdem bin ich bisher selten allein losgezogen.

Warum eigentlich?

Ich weiß es selbst nicht so genau.

Niemandem etwas erklären müssen

Dabei hat das Alleinreisen einen ganz entscheidenden Vorteil: Man ist vollkommen frei.

Wann möchte ich aufstehen? Wo möchte ich frühstücken? Will ich heute drei Museen anschauen oder stattdessen vier Stunden durch die Straßen laufen? Habe ich Lust auf einen langen Spaziergang oder möchte ich einfach irgendwo sitzen und Menschen beobachten?

Wenn man allein reist, muss man niemanden fragen.

Man muss keinen Kompromiss finden, keine Interessen unter einen Hut bringen und keine Rücksicht darauf nehmen, dass der andere gerade müde ist, Hunger hat oder eigentlich überhaupt keine Lust auf dieses eine Museum hat.

Tun und lassen, was man möchte.

Aber wem erzähle ich das jetzt?

Und dann kommt die andere Seite.

Denn so schön es ist, völlig unabhängig unterwegs zu sein – ich reise nicht nur, um Orte zu sehen. Ich reise auch, um Erlebnisse zu sammeln. Und Erlebnisse möchte ich teilen.

Ein besonders schöner Platz. Ein absurdes Schild. Ein Essen, das überraschend fantastisch war. Ein Sonnenuntergang, bei dem man kurz stehen bleibt. Ein Gespräch mit jemandem, den man gerade erst kennengelernt hat.

Wenn ich so etwas erlebe, möchte ich mich umdrehen und sagen: „Schau mal!“

Genau das fehlt mir beim Alleinreisen.

Natürlich kann man Fotos machen, Nachrichten verschicken und später erzählen, was man erlebt hat. In unserem digitalen Zeitalter kann man sogar alles live mit der Welt teilen, wenn man möchte. Aber das ist nicht dasselbe wie dieser eine Moment, den man gemeinsam erlebt. Geteiltes Glück ist bekanntlich doppeltes Glück.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich trotz aller Vorteile bisher nicht häufiger allein gereist bin.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Essen

Alleine essen gehen? Hilfe!

Über das Alleinreisen kann ich ziemlich entspannt sprechen. Über das Alleinessen weniger. Denn hier stoße ich an eine persönliche Grenze, die mich selbst verwundert.

Ich bin eine erwachsene Frau. Sehr erwachsen, wenn man meinem Alter Glauben schenken darf. 😉 Ich bin 39 Jahre alt, bin schon ziemlich viel herumgekommen, stehe mit beiden Beinen im Leben und habe mir vieles von dem selbst aufgebaut, was ich haben wollte. Ich habe Reisen um die ganze Welt in Eigenregie geplant. Ich kann mich allein durch eine unbekannte Stadt navigieren. Ich kann ziemlich viel alleine und brauche grundsätzlich niemanden, der mein Händchen hält.

Aber mich allein an einen Restauranttisch zu setzen?

Hilfe!

Wie ist das möglich?

Rational betrachtet gibt es überhaupt keinen Grund dafür. Niemand im Restaurant interessiert sich wirklich dafür, warum ich dort allein sitze. Die meisten Menschen sind vermutlich viel zu sehr mit ihrem eigenen Essen, ihrem eigenen Gespräch oder ihrem eigenen Handy beschäftigt.

Und trotzdem fühlt es sich für mich völlig anders an.

Vielleicht liegt es daran, dass man beim Reisen ständig unterwegs ist. Man schaut sich etwas an, läuft herum, fotografiert, entdeckt. Beim Essen sitzt man plötzlich da. Allein. Und hat – zumindest gefühlt – sehr viel Zeit, darüber nachzudenken, dass man allein sitzt.

Das muss und will ich noch lernen. Ich habe von anderen Alleinreisenden gehört, dass Übung auch hier den Meister macht. Und wenn man sich dann doch mal doof vorkommt, nimmt man das Handy oder ein Buch in die Hand.

Was muss, das muss

Allein reisen – ja oder nein?

Ich glaube inzwischen, dass Alleinreisen gar keine Entweder-oder-Frage sein muss. Man muss nicht zum überzeugten Solo-Traveller werden. Man kann mit anderen reisen und trotzdem einmal allein losziehen. Man kann eine Woche gemeinsam verreisen und anschließend noch ein paar Tage allein dranhängen.

Auch wenn ich mich bisher noch nicht mit allen Aspekten des Alleinreisens anfreunden konnte, reizt es mich doch sehr, es öfters zu probieren. Man lernt dabei vielleicht nicht nur einen neuen Ort kennen, sondern auch die eigene Art zu reisen. Was möchte ich eigentlich sehen, wenn niemand sonst eine Meinung dazu hat? Wie verbringe ich einen Tag, wenn ich ihn komplett nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten kann?

Und vielleicht irgendwann auch:

Traue ich mich, mich allein an einen Tisch zu setzen und einfach mein Essen zu genießen?

Ich werde es herausfinden.

Vielleicht in Italien. Denn wenn ich schon allein essen lernen muss, dann doch bitte mit Pasta, einem Glas Wein und Blick auf irgendeine italienische Piazza.

Das klingt zumindest nach einer ziemlich guten Motivation.