Schreibretreat in der Toskana: Eine Woche nur für das eigene Buch

Warum es manchmal einen Ortswechsel braucht, um beim Schreiben wirklich voranzukommen.

Eigentlich könnte man überall schreiben. Ein Laptop, ein Schreibtisch und ein paar freie Stunden – mehr braucht es theoretisch nicht. Praktisch sieht das natürlich anders aus. Arbeit, Haushalt, Termine und all die kleinen Dinge, die im Alltag plötzlich dringend erledigt werden müssen – da bleibt das eigene Buchprojekt gerne einmal auf der Strecke.

Genau deshalb hatte ich schon länger nach einem Schreibretreat gesucht. Allerdings sind solche Reisen nicht gerade günstig, und wenn ich schon eine Woche investiere, sollte es auch wirklich etwas sein, das mich sofort anspricht.

Dann wurde mir ein Schreibretreat in der Toskana mit der Autorin Poppy J. Anderson in meinen Feed gespült. Toskana und Poppy – das war eine ziemlich einfache Entscheidung.

Eine Woche raus aus dem Alltag

Was mich an einem Schreibretreat besonders gereizt hat, war gar nicht unbedingt die Vorstellung, irgendwo besonders inspirierend zu schreiben. Es war vielmehr die Aussicht, eine ganze Woche lang keine andere Aufgabe zu haben.

Ich hatte ein eigenes, verlagsunabhängiges Buchprojekt dabei, für das im normalen Arbeitsalltag schlicht nie genug Zeit übrig bleibt. Auf einem Schreibretreat wollte ich mich ausschließlich darauf konzentrieren. Das eigene Buch ist dann nicht mehr bloß irgendein Projekt, das man irgendwann noch unterbringen muss. Es ist die Aufgabe, für die man diese Woche überhaupt hier ist.

Und das verändert erstaunlich viel.

Schreiben als einzige Aufgabe.

Schreiben mit Struktur

Das Retreat war dabei nicht einfach eine Woche gemeinsames Sitzen und Tippen. Die Vormittage waren für Workshops mit Poppy J. Anderson reserviert. Das war für mich ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Der Workshop gab dem Tag einen festen Rahmen und gleichzeitig neuen Input für die eigene Arbeit. Gerade wenn man schon mitten in einem Projekt steckt, kann ein Blick von außen unglaublich hilfreich sein.

Und danach ging es an die eigene Schreibzeit.

Der vielleicht größte Unterschied zum Schreiben zu Hause: Man muss sich nicht erst mühsam wieder in die Geschichte hineinfinden. Man ist gedanklich ausschließlich mit diesem einen Buchprojekt beschäftigt. Der Workshop hat den Kopf geöffnet, neue Fragen aufgeworfen oder einen auf eine bestimmte Stelle im eigenen Projekt aufmerksam gemacht – und anschließend sitzt man direkt wieder am eigenen Manuskript.

Warum man auf einem Retreat schneller in den Flow kommt

Ich glaube, genau darin liegt einer der größten Vorteile eines Schreibretreats. Das eigene Buch bekommt für ein paar Tage eine Aufmerksamkeit, die im normalen Alltag nur schwer herzustellen ist. Natürlich bedeutet das nicht, dass plötzlich jede Seite wie von selbst entsteht. Schreibblockaden verschwinden nicht automatisch, nur weil man in der Toskana sitzt. Aber die Bedingungen sind andere: weniger Ablenkung, mehr Zeit, feste Strukturen und Menschen um einen herum, die aus genau demselben Grund dort sind.

Und plötzlich ist man tatsächlich im Flow.

Was bringt ein Schreibretreat also wirklich?

Wer mit dem Gedanken spielt, selbst einmal an einem Schreibretreat teilzunehmen, sollte meiner Meinung nach nicht nur nach dem schönsten Ort suchen. Die Umgebung ist natürlich ein Bonus – und die Toskana ist dafür ziemlich schwer zu schlagen. Entscheidend ist für mich aber etwas anderes. Ein Retreat kann vor allem drei Dinge schaffen:

Fokus. Eine Woche lang steht ein einziges Projekt im Mittelpunkt. Das kann mehr bewirken als viele einzelne Schreibstunden, die man über Wochen im Alltag zusammensucht.

Struktur. Workshops, feste Zeiten und der Austausch mit anderen Schreibenden geben dem Tag einen Rahmen. Man muss nicht jeden Morgen aufs Neue überlegen, wann und wie man eigentlich anfangen soll.

Abstand. Wer lange an einem Manuskript arbeitet, steckt irgendwann so tief darin, dass ein Blick von außen guttut. Ein Ortswechsel kann helfen, Gedanken neu zu sortieren und festgefahrene Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Motivation. Schreiben ist häufig eine ziemlich einsame Tätigkeit. Wenn rundherum andere Menschen sitzen, die ebenfalls an ihren Büchern arbeiten, entsteht eine ganz eigene Dynamik. Man schreibt nicht gemeinsam an einem Buch – aber man arbeitet gemeinsam daran, überhaupt weiterzukommen.

Fokus.

Ist ein Schreibretreat für jeden etwas?

Wahrscheinlich nicht.

Wer gerade erst mit dem Schreiben beginnen möchte und noch gar nicht weiß, was er eigentlich schreiben will, braucht vielleicht zunächst etwas anderes. Ein Retreat ist meiner Meinung nach besonders interessant für Menschen, die bereits ein konkretes Projekt haben, aber im Alltag nicht die Zeit oder Konzentration finden, die sie dafür gerne hätten.

Und es ist interessant für Menschen wie mich, die das Glück haben, bereits vom Schreiben leben zu können, sich aber gern mal abseits des Arbeitsalltags in der Gesellschaft Gleichgesinnter um ein bestimmtes Projekt kümmern wollen. Und manchmal braucht es dafür tatsächlich einen Ortswechsel.

Good things are coming.

Das Schreibretreat wurde von der Agentur Plan & Sparkle organisiert. Ich habe selbst daran teilgenommen und die Teilnahme privat bezahlt. Informationen zu den Retreats und aktuellen Terminen gibt es auf der Website der Agentur.